Versprochen ist versprochen und so kommt hier erstmal mein Geburtsbericht.

Alles fing am Montag dem 30.01.2017 an. Wir waren bei meiner Ärztin und Anton sollte ein letztes mal ausgemessen werden. Ich war zu dem Zeitpunkt in der 36+4 Schwangerschaftswoche. Die Ärztin sagte uns, dass Anton zu groß und schwer sei. Sie schickte uns ins Krankenhaus, in dem wir entbinden wollten. Dort sollte Anton noch einmal gemessen werden und die Geburtsplanung sollte stattfinden.

Am 31.01.2017 waren wir dann früh im Krankenhaus, nach langem warten wurde ich endlich untersucht. Auch dort hieß es, unser Sohn wäre zu groß und schwer für diese Schwangerschaftswoche. Allerdings wurde auch festgestellt, dass ich Eiweißausscheidungen habe, zu hohen Blutdruck und meine Hände und Füße waren so extrem geschwollen – da sind die Hände von Bud Spencer nen scheiß dagegen. Alles deutete auf eine Praeklaempsie hin. Das ctg sah auch nicht so toll aus. Ich sollte also am Mittwoch wieder kommen, zur Beobachtung.

Am Mittwoch, dem 01.02.2017 brachte mich Alex also ins Krankenhaus, ich bezog mein Zimmer und verabschiedete mich heulend von Alex. Ich räumte meine Tasche aus und stellte fest, dass ich 8 Hosen aber nur 1 Shirt mit hatte. Haha. Alex wollte ja eh nachmittags wieder kommen, also schrieb ich ihm direkt was ich brauche.
Ich bekam einen Behälter, in den ich 24 Stunden lang rein pinkeln sollte. Und hing laufend am ctg und Blutdruckmessgerät. Die äußerst kompetenten Hebammen/gesundheits- und Krankenpfleger haben wohl bei der Lektion „Blutdruck messen“ nicht richtig aufgepasst und so bekam ich öfter eine normale Manschette. (bei kräftigen Oberarmen verfälscht diese aber das Ergebnis)
Mit dem Anästhesisten sprach ich auch, wegen einer eventuellen pda.
Es hieß dann, sie würden eventuell einleiten, aufgrund der praeklaempsie und Größe des Kindes.
Man sagt ja, man soll viel Treppen laufen. Das habe ich im übrigen auch gemacht. Den ganzen Tag. Als Alex am Nachmittag kam, sind wir auch noch durchs Krankenhaus gelaufen.
Ich verabschiedete Alex und ging zeitig ins Bett.

Donnerstag, der 02.02.2017, um 4.30 Uhr

wachte ich auf weil alles nass war. Es floss zu beiden Seiten des Bettes herunter – da ich keinen Einfluss drauf hatte, ging ich spontan davon aus, dass meine fruchtblase geplatzt ist. Bei 37+0, genau die Grenze zum frühchen.
Ich klingelte nach der Hebamme, die genervt über die funkanlage fragte, was denn sei.
„ich glaube meine fruchtblase ist geplatzt“ und schon kam die Gute. Direkt mit genervtem Blick, weil das Zimmer schwamm und ich Klitschnass neben dem Bett stand. Sie half mir ausziehen und ich ging duschen. Danach packte ich mir zig Einlagen in die sexy netzschlübbi und gings ins Bett, ans ctg. Das ctg zeigte null wehen und Anton schlief – bewegte sich kaum. Dies veranlasste den Chefarzt dazu irgendwas von Kaiserschnitt zu brabbeln. Ich bekam solche Panik, dass ich Alex aus dem Schlaf riss (10 Minuten bevor sein Wecker ging), panisch ins Telefon brüllte und ihn zu mir zitierte. Alex die Ruhe in Person suchte aber erstmal die Geburtsurkunden zu hause.

Irgendwann war Alex da und wir sind was essen gegangen, spazieren um die Wehen anzuregen. Nichts half, es wollten einfach keine wehen einsetzen.
Am Mittag startete dann der erste Einleitungsversuch. Am Abend der nächste Versuch. Dann kamen ein paar Wehen, verschwanden aber wieder. (ich dachte mir allerdings, mein gott…. Wenn die schon so weh tun.. 😂)
Am nächsten Tag kam ich an den Wehentropf, allerdings kamen auch jetzt keine Wehen.
Am Mittag entschieden die Oberärzte, dass sie nicht mehr warten können und Anton holen müssen.

Ich heulte und heulte beim Gespräch mit der Anästhesie. Ich heulte beim Gespräch mit der Ärztin, als sie mir erklärte was sie machen würden (erst schneiden, dann reißen und dann wieder schneiden)
Ich heulte, als sie mich in den Vorbereitungsraum schoben. Die kompetenten Helferlein in grün, blau und weiß – waren sehr empathisch und konnten nicht verstehen warum ich so heulte. Wie es für Alex war, kann ich nicht einschätzen, er war erst wieder an meiner Seite als ich auf dem Tisch lag. Von der Narkose bekam ich gar nichts mit. Nun war Alex an meiner Seite und ich wurde etwas ruhiger. Er machte sich klitzeklein, weil er sonst alles gesehen hätte. Sie schnitten, rissen und schnitten – es ruckelte, es klatschte und es schrie und ich heulte noch mehr. Dann kam so ein kleines klitschiges Ding und wurde mir hin gehalten. Ein kleines perfektes Menschlein und das haben die aus mir raus geholt? Der Arzt sagte noch, das die Nabelschnur um Hals und Arm gewickelt war.

Kurz gesehen und zack war es wieder weg und nicht nur mein kleines perfektes Menschlein, sondern auch das große perfekte Menschlein, mit dem ich das kleine perfekte Menschlein gemacht hab.

Ich wurde nun genäht und ich glaube ich bin dabei eingeschlafen. Ich habe nur mitbekommen wie kalt mir war. Sehr kalt. Und ich war müde, so so so müde. Ich glaube die Anästhesie hatte auch irgendwas von Schock gebrabbelt – aber ich erinner mich kaum noch.
Ich war im Aufwachraum, keine Spur von meinem perfekten Menschlein. Alex kam und zeigte mir Fotos. Mein Gott, war der kleine Kerl hübsch. Und der Papa so stolz!

Ich konnte meine Beine spüren und auch den Schmerz, es ging. Ich bekam gute Schmerzmittel – die mich so richtig umgehauen haben. Den Katheter zogen Sie mir erst am Folgetag und dann sollte ich laufen. Als ich nachts auf die Toilette musste und nach der äußerst kompetenten Hebamme klingelte. Merkte ich, wie es sich anfühlt motiviert zu werden. Die stand vor mir, klatschte in die Hände „los Frau Richter, sie schaffen das Frau Richter“ im Badezimmer bekam ich noch eine Ladung Wasser ins Gesicht geschmissen und meine Laune war dahin.

Am 03.02.2017 um 14.36 Uhr lernten wir unsere große Liebe kennen. Sie wog 3720 Gramm, war 50 cm groß und hatte einen Kopfumfang von 36 cm. Das kleinste, größte Wunder auf der Welt. Was uns jeden Tag aufs Neue zeigt, wie nichtig der Rest der Welt ist. Wie nichtig der Hass der Welt ist. Wir sind so voller Liebe. Voller Stolz.

Jedes pieksen, jedes ziepen, jeder Schmerz hat sich gelohnt.

5 thoughts on “Das Baby kommt- Geburtsbericht

  1. Wundervoll, ich habe auch feuchte Augen. Ein ganz toller Bericht, ich wünsche euch alles liebe und ein wundervolles gemeinsames Leben!

  2. Herzlichen Glückwunsch liebe Claudia!

    Wir haben noch 16 Wochen Zeit (theoretisch) und sind sehr aufgeregt…

    Liebe Grüße
    Linda

    1. Lieben Danke Linda!
      Wir wünschen dir wundervolle 16 Wochen mit deinem kleinen Wunder unter deinem Herzen 🙂
      liebste Grüsse

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